24.08.2020 / Allgemein / /

Sich strecken kann sich lohnen

Ich liebe es, beim Aufstehen, ein philosophische Tagesmotto zu wählen. Es entspringt jeweils den aktuellen Aufgaben,  die Überwindung kosten, sie anzupacken. Ich motiviere mich selbst damit und versuche dasselbe damit bei anderen zu bewirken. Mein sechzehn jähriger Sohn findet es jedoch meist nervig statt hilfreich. Meine «Glückskeks-Sprüche», wie mein Sohn sie nennt,  haben aber durchaus eine positive Absicht, wenn sie sich auch auf einer Metaebene bewegen und auf keiner vollständigen Information beruhen. Die Ausführungen die ich hier zum Bau des Kantonsspitals mache, bewegen sich in etwa auf dieser Metaebene. Ich beabsichtige, dass der Bau an sich der Genesung der zukünftigen Patienten/innen zuträglich ist.

Wenn ich mir eine Meinung bilde, so kann diese durchaus im Laufe der Zeit auch wieder ändern, weil sich die Faktenlage geändert hat oder meine Informationslage umfassender ist und anderes nun Priorität erhalten hat.

Ich versuche sozusagen ein Frühwarnsystem in meine Überlegungen einzubauen und bin offen für eine rollende Planung, die Änderungen dann gutheisst, wenn sie das Gesamtprojekt nicht grundsätzlich gefährden und deren Nutzen und Funktionalität höher ist, als die Kosten, die Änderung nicht zu berücksichtigen. Je teurer die Massnahme und je teurer die erneute Änderung sein würde, um so langfristiger muss die Funktionalität gegeben sein.

Ich erläutere meine Gedanken kurz an den mir im Internet zugänglichen Bauplänen des Kantonsspital Aarau. Der Bau ist von kantonaler Bedeutung für die Gesundheitsversorgung. Der Einfluss der Regierung, des Parlamentes und der Bevölkerung ist im Bereich der Umsetzung beschränkt vorhanden. Wir müssen uns auf die Spezialisten und auf die Entscheide der zuständigen Stellen verlassen. Ich nutze hier die Meinungsfreiheit, mich zu diesen zu äussern. Wenn ich sie betrachte, so fällt mir vieles positiv auf:

Die Realisierung ist in Etappen vorgesehen. Die finanzielle Last für die Region scheint dadurch, tragbar zu sein. Begonnen wird mit dem Ambulatorium. Die ambulante Medizin hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Ermöglicht sie doch spezialisierte Behandlung, ohne dass die Menschen lange dem Arbeitsplatz und ihrem Alltag fernbleiben müssen. In der anschliessenden Bauetappe wird der stationäre Bereich erneuert. Bei schweren Erkrankungen ist die ambulante Pflege nicht immer möglich, da die Patienten/innen belastende Transporte nicht auf sich nehmen können und auch Angehörige überfordert sind, die Koordination der erforderlichen Therapien zu übernehmen. Der Erfolg der Behandlung würde durch die ambulante Medizin gefährdet werden, sie wäre nicht effizient und nicht effektiv.

Wenn ich die Pläne der Zimmer anschaue fällt mir auf, dass nur noch kleine Fenster zum Lüften eingeplant sind. In Anbetracht der momentanen COVID-Situation frage ich mich, ob diese Realisierung funktional ist. Patienten/innen sind während Pandemien gezwungen, in den Zimmern zu bleiben. Besuche sind verboten. Das Zimmer gewinnt an Bedeutung. Patienten/innen sehen tagelang nur dieses. Ich stelle die Hypothese auf, dass es für Patienten/innen einfacher ist, eine positive Einstellung zu behalten, wenn das Zimmer wenigstens mit einem grossen Fenster gelüftet werden kann und vielleicht ein Vordach vorhanden ist, das Schatten spenden kann.

Die Inder haben in ihren historischen Bauten ausgeklügelte Architektur benutzt, um eine natürliche Zirkulation zu erreichen ohne den Einbau einer Klimaanlage. Wir kennen in der Schweiz gute Systeme der Isolation und Wärmedämmung, um Energie zu sparen. Meine Frage an die Architekten und Projektleiter: Ist es möglich, beide Systeme zu kombinieren, um ein gesundes, natürliches Klima zu erreichen, das die Genesung auf natürliche Weise anstösst und gleichzeitig eine genügende Energieeffizienz für den Winter ermöglicht?

Brigitte Schwaller, Präsidentin CVP Aarau Regio

Kontakt